Am 13. Februar 2021 haben sich Künstler*innen des freien Theaters für junges Publikum aus ganz Bayern getroffen und aus dem Verband freier Kinder- und Jugendtheater in München e.V. heraus den Verband freier Kinder- und Jugendtheater Bayern e.V. gegründet. 

Wir werden uns nun verstärkt um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Wahrnehmung des freien Kinder- und Jugendtheaters in ganz Bayern kümmern und das in München bereits Erreichte bewahren und ausbauen. Außerdem kümmern wir uns natürlich weiter darum, dass die Bedürfnisse unsere Sparte bei der Gestaltung neuer und vorhandener staatlicher Hilfsprogramme in der Krise weiter Beachtung finden. 

Je größer unser Verband ist, desto mehr können wir für unsere Kunst bewegen und leisten!  Wir laden darum alle Kolleg*innen herzlich ein, Teil dieser Gemeinschaft zu werden! 

Der Verband freier Kinder- und Jugendtheater Bayern e.V. vertritt die Anliegen und Bedürfnisse der freien und professionellen Theater für junges Publikum!


München, den 19.01.2022
Pressemitteilung "Das Ende des Kulturstaates"

Es ist viel versprochen worden und Summen in nie gekannter Höhe wurden beschlossen. Zu Beginn der
Pandemie hatte sich die Politik so schnell und verständnisvoll den Nöten der freien Künste zugewandt, dass man meinen konnte, die Künstler*innen auf der Straße an den roten Ohren erkennen zu müssen, glühend vom unablässigen Klingeln der vielen tröstlichen Ankündigungen.
Bayern, ein Staat mit dem Wortanhang „Kultur-“, hatte sich zuvor nie ernsthaft für seine freien Künste, die im Theater die Hälfte, in der Musik und erst recht der bildenden Kunst nahezu die ganze Last der kulturellen Versorgung und Teilhabe im Land tragen, interessiert. Neidisch blickte man als freie Künstler*in hierzulande auf nicht perfekte aber doch bessere, praxisorientierte Förderlandschaften jenseits der Landesgrenzen und fragte sich beim jährlichen Abwanderungszug junger Künstler*innen hinaus in eine vielversprechendere Kulturwelt, wie man sein künstlerisches Dasein südlich des Weißwurstäquators – immerhin das eine große bayrische Kulturleistung – weiter finanzieren sollte.
Nun, in der Not der Pandemie, sollte sich endlich etwas verändern. Vertreter*innen der freien Künste wurden zu Gesprächen ins Kunstministerium eingeladen, sollten bei der Gestaltung der Hilfsleistungen beraten und vielleicht sogar mitbestimmen. Es keimte die Hoffnung, tatsächlich, schnell und bedarfsorientiert helfen zu können und vielleicht darüber hinaus sogar die alte verkrustete Förderstruktur im Lande, die Geld nach Gutsherrenart an wenige Auserwählte vergab, modernisieren und ausbauen zu können. Wer weiß, vielleicht wäre jetzt sogar der bundesweit einzigartige und absurde Ausschluss Münchens und Nürnbergs aus der Landesförderung für freie Künste zu überwinden? Eine Chance also, mitten in der Krise! Zum ersten mal entstand ein breites Bündnis der Verbände der freien Künste, nicht nur ein Bündnis der Kunstschaffenden aller Sparten allein, sondern vereint mit all den unablässig helfenden Händen, die hinter den Bühnen, in den Büros und für die partizipative Kultur arbeiten. Dieses breite Bündnis investierte unzählige Stunden, um Politik und Verwaltung beratend zur Seite zu stehen und einen echten kulturellen Neubeginn aus der Pandemie heraus zu entwerfen.
Nachdem nun all diese, zumeist ehrenamtliche, Arbeit in den langen Fluren des Kunstministeriums und der
Staatskanzlei nahezu folgenlos verhallt ist, hört man nurmehr den zarten Klang des Totenglöckchens. Die
Sargträger haben Aufstellung genommen: Ministerpräsident Söder und seine Staatsminister Sibler, Hermann und Holetschek tragen den bayrischen Kulturstaat zu Grabe, denn trotz der vielen warmen Worte haben sie eins mit Taten wie Unterlassungen bewiesen: In Bayern kommt erst die Wirtschaft, der Handel, die Weißwurst und der Skilift, dann kommt die Verfassung, die der Kultur eigentlich eine herausgehobene
Bedeutung einräumt.
Der trauernden Gemeinde aber sei mitgegeben: Was wir außerhalb der Friedhofsmauern hören, die
Aggressivität, die zunehmende Gewaltbereitschaft, die in brüllender Sprachlosigkeit verhärteten Fronten, die das gesellschaftliche Klima im Land gefährden: Das sind unausweichlichen Folgen, wenn man zwei Jahre
lang Kunst und Kultur zur verzichtbaren „Freizeitaktivität“ degradiert!

Wir werden aber nicht aufgeben und fordert weiterhin:
• Kunst und Kultur haben grade in der Pandemie einen unbedingten Vorrang, sie dürfen nicht als erste geschlossen und als vorletzte geöffnet werden!
• Bayern braucht eine moderne und bedarfsorientierte Förderlandschaft unter garantierter Mitentscheidung der Fachverbände, die eine rezeptive und partizipative kulturelle Teilhabe auch im ländlichen Raum garantiert.
• Eine Vervielfachung der Fördermittel vor allem im Bereich der freien Künste.
• Geld für faire Arbeitsbedingungen statt unnützer Präsentationsportale.
• Eine Neuauflage der Hilfsprogramme, entbürokratisiert, praxisorientiert und bis zur Wiederherstellung des normalen Kulturbetriebes garantiert.

Mit freundlichen Grüßen,
die Vorstände des Verbands freier Kinder- und Jugendtheater Bayern e.V. und 
des Verbands Freie Darstellende Künste Bayern e.V. 


Kultur. Spiel. Resilienz. Vom Wert der Kulturellen Bildung in Krisen

Kulturelle Bildung trägt zu einer gesunden Entwicklung und vielseitigen Resilienz junger Menschen bei. Sie bietet experimentelle Freiräume und fördert darin den selbstbestimmten Umgang mit individuellen und globalen Krisenereignissen. Warum und wie genau helfen kulturelle Spiel- und Erfahrungsräume dabei, in Krisensituationen psychisch und seelisch stabil zu bleiben? Der Verband freier Kinder- und Jugendtheater Bayern e.V. hat dazu in der neuen Publikation „Kultur. Spiel. Resilienz - Vom Wert der Kulturellen Bildung in Krisen“ (Dezember 2021) Texte zur thematischen Relevanz des Kinder- und Jugendtheaters beigetragen.

Die Herausgeber*innen haben die Corona-Pandemie zum Anlass genommen, wertvolle Erfahrungen und Handlungsempfehlungen von 48 bundesweit und international aktiven Expert*innen in Theorie und Praxis zusammenzutragen, die sich schon seit mehreren Jahren mit Kultur, Spiel und Resilienz beschäftigen. Je früher Kinder und Jugendliche ihren rechtlich begründeten und barrierefreien Zugang zu Kultureller Bildung erhalten und in kulturell-kreativen Tätigkeiten Selbstwirksamkeit erfahren, umso mehr sorgt die dabei entstehende persönliche und gesellschaftliche Resilienz für einen selbstbewussten und bereichernden Umgang mit Krisen.


Aktuelle Projekte:

Ein Gastspielring für München 2021/2022
Der Verband der freien Kinder-und Jugendtheater in München startete 2016 mit Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München ein Pilotprojekt. Von Oktober 2016 bis Oktober 2017 wurden 25 Vorstellungen von freien Kinder-und Jugendtheatern des Verbandes in Stadtteilkulturzentren und privaten Kulturinitiativen gespielt. 2018 wurde der Gastspielring ein zweites Mal erfolgreich durchgeführt. Nach fünf erfolgreichen Ausgaben gilt nachwievor das Ziel, mobiles Kindertheater mit professioneller Qualität in die Münchner Stadtteile zu bringen und so allen Kindern, egal wo sie wohnen, ein spannendes Theatererlebnis zu bieten.

Alle Spieltermine sind zu finden unter Gastspielring München

Diese Projekt wird gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München.

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