Ein Gastspielring für Bayern
Konzept der kulturellen Teilhabe in der Fläche im Bereich des professionellem Kinder- und Jugendtheaters

Bayern ist Kulturland – das ist Erfolg und Auftrag zugleich.
Rund zwei Millionen Menschen in Bayern sind jünger als 18 Jahre. Für die soziale, ästhetische und gesellschaftliche Entwicklung dieser Altersgruppe spielt der Zugang zu zielgruppengerechtem Theater eine große Rolle. Die Theaterhäuser in staatlicher und kommunaler Trägerschaft stoßen allerdings außerhalb der Zentren und deren Randbereichen strukturell schnell an ihre Grenzen. Die mobilen freien Kinder- und Jugendtheater sind hier eine unverzichtbare Stütze im Flächenland Bayern.
Etwa jeder zweite Theatersitzplatz wird von uns „aufgestellt“!

Was die freien Kinder- und Jugendtheater in Bayern leisten:
Der Verband freier Kinder- und Jugendtheater Bayern hat im Juni und Juli 2020 die in Bayern ansässigen freien Kinder- und Jugendtheater zu ihrer Gastspieltätigkeit befragt. Von 41 uns bekannten Theatern haben sich 24, also knapp 60% mit ihren Daten an der Umfrage beteiligt, 15 davon sind Mitglieder in den Verbänden der freien Szene.
Auf Basis dieser Daten spielen die freien Kinder- und Jugendtheater auf Gastspielreise (zusätzlich zu den Vorstellungen in eigenen Spielstätten) pro Jahr:

über 2600 Vorstellungen
mit über 275.000 Zuschauer*innen


Gut 60% dieser Gastspiele finden in Bayern in über 320 Gemeinden statt, dazu geben ein Drittel der befragten Theater an, daß ihre Gastspiel – Honorare in Bayern niedriger sind, als in anderen Bundesländern.
Im Schnitt bleiben fast alle Ensemble in Bezug auf die vom Bundesverband freie darstellende Künste formulierte Mindesthonorar – Definition hinter den als fair zu bezeichnenden Gastspielhonoraren (siehe Seite 3) deutlich zurück. Nur zwei! Ensemble gaben an, höhere Honorare zu erzielen.

Die Ausgangslage:
Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es in Bayern bisher für die freien Ensemble und Einzelkünstler*innen und deren tägliche Gastspiele überall im Land weder eine Projekt- noch eine Gastspiel-Förderung. Die wirtschaftlichen Grenzen bewirken so auch eine Unterversorgung der ländlichen Gebiete. Veranstaltungen sind bedingt durch die Verhältnisse vor Ort in vielen Fällen unterfinanziert, was auf Kosten der Künstler*innen - Honorare geht und zur weit verbreiteten Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse führt.
Während der Corona – Krise haben die freiberuflichen Akteur*innen im Theater für junges Publikum besonders zu leiden, schon Anfang März, deutlich vor Schließung der Theater und Schulen, begannen die Vorstellungs-Absagen, die staatlichen Hilfen haben in vielen Fällen ihr Ziel nicht erreicht und der Spielbeginn wird sich länger hinauszögern als bei anderen Theatern. Darüber hinaus werden sich die finanziellen Verluste der Kommunen in den nächsten Jahren dramatisch auswirken.

Um das Recht auf kulturelle Teilhabe junger Menschen und den öffentlichen Auftrag der kulturellen Bildung zu gewährleisten benötigen Ensemble wie Veranstalter*innen vor Ort dringend staatliche Hilfe.

Das Projekt:
Der Verband freier Kinder- und Jugendtheater Bayern organisiert bereits im fünften Jahr mit finanzieller Unterstützung des Kulturreferates München einen Gastspielring in der Landeshauptstadt, in dem freie Produktionen gezielt in dezentrale Stadtteile geschickt und in dortigen Stadtteilkulturzentren aufgeführt werden. Dabei steht neben der kulturellen Versorgung aller Stadtteile eine faire Honorierung der auftretenden Künstler*innen bei einer tragbaren Belastung für die Veranstalter*innen im Fokus.

Die Erfahrungen aus diesem Programm und mit Förderprogrammen in anderen Bundesländern stehen uns zur Verfügung, um ein richtungsweisendes Förderprogramm für Bayern zu entwickeln, das kulturelle Teilhabe und faire Honorierung garantiert.

Die Ziele:
– Flächendeckender Zugang zu professionellen Theatervorstellungen für junges Publikum
– Kulturelle Aufwertung in der Fläche durch die darstellende Künste
– Bayernweite Förderung der kulturellen Bildung
– Ertüchtigung der kommunalen Kulturprogramme
– Garantie von fairen Arbeitsbedingungen für Künstler*innen


Umsetzung:
– Wer ist teilnahmeberechtigt:
Theater / Ensemble / Solokünstler*innen ohne institutionelle Förderung und/oder öffentliche Trägerschaft mit Sitz in Bayern und Nachweis der Professionalität.
Das Gastspiel muß in mindestens 10 km Luftlinie vom Sitz des Theaters und außerhalb der Heimatgemeinde stattfinden.
– Wer ist antragsberechtigt:
Veranstalter*innen und Veranstaltungsorte in privater oder öffentlicher Trägerschaft die unabhängig vom Förderprogramm mindestens viermal im Jahr Veranstaltungen im Kinder- und Jugendtheater organisieren. Durch die Förderung darf der in den letzten Jahren für Kinder- und Jugendtheater vorgesehene Haushaltsposten nicht gekürzt werden.
– Was kann beantragt werden:
50% des Honorars, das an das auftretende Theater gezahlt wird. Die sonstigen Nebenkosten sind von der Veranstalter*in zu tragen.
Zusätzlich kann von Veranstalter*innen, die die Organisation des Gastspiels nicht aus Einnahmen des Kartenverkaufs oder anderen Mitteln selber finanzieren können, pro Gastspiel eine Organisationspauschale von 250€ beantragt werden.
– Wie findet die Ausschreibung statt:
Im September des Vorjahres wird ein Katalog erstellt und an die Veranstalter*innen verschickt. Jedes teilnehmende Theater / Ensemble / Solokünstler*in kann in diesem Katalog zwei Stücke für Kinder und / oder Jugendliche anbieten. Für Mitglieder im LV freie darstellende Künste Bayern und dem Verband der freien Kinder- und Jugendtheater in München ist der Katalogbeitrag kostenfrei. Nicht – Verbandsmitglieder zahlen für bis zu zwei Einträge eine Gebühr von 200 €, jeder weitere Eintrag kostet für alle Theater 100€ pro Produktion.
– Welche Honorare werden gezahlt:
Im Katalog geben die auftretenden Theater die Honorare für ihre jeweiligen Produktionen an. Dabei dürfen von den Trägerverbänden festgesetzte Mindesthonorare nicht unterschritten werden. Diese Mindesthonorare richten sich nach der Personenzahl auf der Bühne und sollten im Moment (Stand 2021) bei 800€ für ein Solo, 1200€ für ein Duo, 1500€ für ein Trio und 250€ pro weitere Schauspieler*in liegen.
– Wie findet die Vergabe statt:
Mit Hilfe des Kataloges wählen die Veranstalter*innen Produktionen für ihre Spielstätte aus und vereinbaren mit dem auftretenden Theater den Termin. In der ersten Vergaberunde vom 1. - 31. Januar des laufenden Förderjahres können für bis zu vier Veranstaltungen pro Veranstalter*in 50% des Honorars und ggf. die zusätzliche Organisationspauschale beantragt werden.
In einer zweiten Vergaberunde können bei ggf. vorhandenen Restmitteln weitere Förderanträge zwischen 1. und 31. März eingereicht werden.
Die Vergabe der Förderungen erfolgt in der Reihenfolge des Eingangs der Anträge. Sind die Mittel erschöpft, gibt es keinen Anspruch auf weitere Förderungen.
– Wie läuft die Organisation:
Die Durchführung der Veranstaltungen, Publikumsakquise, Werbung und Presse/Öffentlichkeitsarbeit wird von den Veranstalter*innen vor Ort getragen. Sie und die auftretenden Theater verpflichten sich, in allen Publikationen auf die Förderung durch den Gastspielring Bayern mit Mitteln des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst hinzuweisen.
Die Vergabe der Mittel, die Katalogerstellung und -verbreitung, die Websitebetreuung und das Vertragswesen werden über den LV freie darstellende Künste Bayern und den Verband freier Kinder- und Jugendtheater Bayern abgewickelt, die dafür die entsprechenden Mittel vom Staatsministerium zur Verfügung gestellt bekommen.
Für die Abwicklung der Organisation schaffen die Trägerverbände eine 50% Stelle, angelehnt an TVL E12.

Stand April 2021

 
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